Es war ein Dienstagmorgen, kurz nach neun, und ich saß im Wartezimmer einer kleinen Praxis in Kolkata. Nicht als Patient. Ich hatte der Ärztin versprochen, mir anzuschauen, warum bei ihr “immer alles so lange dauert”. Die Empfangskraft, nennen wir sie Mala, hatte vor sich ein dickes Terminbuch, daneben einen Laptop mit einer Excel-Datei, daneben einen Stapel Zettel, auf denen Rezepte für die Apotheke nebenan vorbereitet wurden. Das Telefon klingelte, eine Patientin wollte verschieben, und Mala blätterte, strich durch, schrieb neu, suchte die Karteikarte, fand sie nicht, fand sie dann doch.
Ich habe zwanzig Jahre lang Software gebaut, und ich kenne dieses Gefühl, wenn man etwas sieht und sofort denkt: Das ließe sich lösen. Meistens sollte man diesen Gedanken wieder vergessen. Ich habe ihn nicht vergessen.
Was ich in dieser Praxis wirklich gesehen habe
Ich will nicht übertreiben. Die Praxis lief. Die Ärztin war gut, die Patienten kamen wieder, und niemand stand kurz vor dem Zusammenbruch. Aber ich habe an diesem Vormittag mitgeschrieben, wo die Zeit hängen blieb, und die Liste war länger, als ich erwartet hatte.
Termine standen im Buch und teilweise zusätzlich in der Excel-Datei, weil die Ärztin gern von zu Hause nachsah. Die beiden Quellen stimmten nicht immer überein. Die Patientenakten lagen in Mappen, und wer ein Jahr lang nicht da gewesen war, wurde zur Suchaktion. Rezepte wurden von Hand geschrieben oder getippt und wieder getippt. Laborergebnisse kamen auf Papier oder als Foto per Messenger, und irgendwer musste sie der richtigen Akte zuordnen. Am Monatsende saß Mala drei Abende lang da und glich Rechnungen mit dem Kassenbuch ab.
Und dann gab es noch den Strom. Zweimal in diesen drei Stunden flackerte das Licht, einmal ging das Internet für zehn Minuten weg. Niemand regte sich auf. Es war normal.
Das war der Punkt, an dem ich anfing, ernsthaft nachzudenken. Nicht darüber, ob es Praxissoftware gibt. Natürlich gibt es die. Sondern darüber, ob es welche gibt, die in genau diesem Raum funktioniert, mit diesem Internet, mit diesem Budget und mit diesen Rechnungen.
Erst mal gucken, was es schon gibt
Ich habe mir angewöhnt, nichts zu bauen, bevor ich nicht ehrlich versucht habe, es zu kaufen. Das spart Monate. Also habe ich mir an zwei Abenden alles angeschaut, was ich finden konnte. Einiges war zu groß, gebaut für Kliniken mit eigener IT-Abteilung. Einiges war alt und sah aus wie aus einer anderen Zeit. Und dann war da Cliniko.
Cliniko habe ich ausführlich getestet, und ich sage das so deutlich, weil es später im Text kritisch wird und ich nicht will, dass es unfair klingt. Cliniko ist ein gutes Produkt. Die Oberfläche ist aufgeräumt. Der Terminkalender mit den Spalten pro Behandler ist genau so, wie man ihn sich vorstellt. Die Vorlagen für Behandlungsnotizen sind das Ergebnis jahrelanger Arbeit mit Physiotherapeuten, Chiropraktikern und ähnlichen Berufen, und das merkt man. Das Unternehmen kommt aus Australien, und die Software fühlt sich an, als hätte jemand sehr lange mit echten Praxen aus dieser Welt gesprochen.
Wenn du eine Physiotherapie in Melbourne oder Auckland betreibst, brauchst du diesen Text nicht weiterzulesen. Nimm Cliniko.
Warum es für diese Praxis trotzdem nicht ging
Die Ärztin in Kolkata war keine Physiotherapeutin in Melbourne. Ich habe vier Dinge notiert, die nicht zusammenpassten, und ich habe sie so notiert, wie ich sie gespürt habe, nicht wie ein Marketingtext.
Das Internet. Cliniko läuft in der Cloud. Das ist in Sydney völlig vernünftig. In der Praxis, die ich besucht hatte, ist ein Tag ohne Verbindung keine Katastrophe, aber ein Tag, an dem man deswegen nicht in die Patientenakte schauen kann, schon. Eine Software, die bei jedem Netzausfall stehen bleibt, ist dort ein Risiko, kein Komfort.
Der Preis in der falschen Währung. Cliniko wird pro Behandler und Monat abgerechnet, in Dollar. Die Zahl, an die ich mich erinnere, lag für eine einzelne Person bei rund fünfundvierzig Dollar im Monat, und sie wächst mit jeder weiteren Behandlerin. Bitte prüf den aktuellen Preis selbst, so etwas ändert sich. Für eine Praxis in Australien ist das ein normaler Posten. Für eine kleine Praxis in Indien mit Einnahmen in Rupien fühlt sich ein dauerhaftes Dollar-Abo anders an, und bei drei, vier Ärzten rechnet man es sehr schnell auf das Jahr hoch.
Die Rechnungen. In Indien muss eine Rechnung bestimmte Dinge enthalten, Steuer inklusive. Cliniko ist für australische, neuseeländische und britische Rechnungsformate gebaut. Das ist keine Kritik, es ist schlicht nicht sein Markt. Aber es heißt, dass Mala am Monatsende wieder in Excel gelandet wäre.
Wem die Daten gehören. Die Patientenakten liegen bei Cliniko auf deren Servern. Für viele Praxen ist das in Ordnung. Die Ärztin sagte mir, ohne dass ich gefragt hatte: “Ich möchte, dass die Akten bei mir im Haus bleiben.” Das war kein juristisches Argument, es war ein Bauchgefühl, und ich fand, dass man es ernst nehmen sollte.
Keiner dieser vier Punkte ist ein Mangel von Cliniko. Es sind Gründe, warum dieses Werkzeug für diese Praxis ein falsches Maß hatte.
Der Moment, in dem ich beschloss, es selbst zu bauen
Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich eine große Entscheidung getroffen habe. Tatsächlich habe ich an einem Samstag einfach ein leeres Projekt angelegt, “nur um zu sehen”, ob ich in einem Tag etwas hinbekomme, das ein Patientenformular und einen Terminkalender zeigt.
Ich habe mich für eine Desktop-Anwendung entschieden, weil sie ohne Internet läuft und weil die Daten in einer einzigen Datei auf dem Rechner der Praxis liegen. Intern ist es VB.NET mit einer lokalen SQLite-Datenbank, und die Oberfläche ist eine Webansicht in einem Windows-Fenster. Das klingt technischer, als es ist. Für die Praxis bedeutet es: Programm starten, arbeiten, Datei sichern. Kein Konto, kein Server, kein Abo.
Der erste Tag brachte tatsächlich ein Patientenformular und einen halbfertigen Kalender. Die nächsten Wochen brachten das, was immer kommt, wenn man Software für echte Menschen baut: Ich habe Dinge gebaut, die ich für wichtig hielt, und dann Mala und die Ärztin gefragt, und die Hälfte davon war ihnen egal, während sie nach Sachen fragten, an die ich nie gedacht hatte. Zum Beispiel wollte Mala beim Anlegen eines Termins sofort sehen, ob die Patientin schon einmal da war. Eine Kleinigkeit, aber sie hat mir gezeigt, worauf jemand schaut, der den Hörer zwischen Schulter und Ohr klemmt.
Was ClinicPlusPlus heute kann, und was nicht
Hier muss ich ehrlich sein, denn ein Vergleichstext, der nur die Stärken der eigenen Software aufzählt, ist keiner.
ClinicPlusPlus verwaltet Patienten, Termine für mehrere Ärzte, Konsultationen mit Notizen und Rezepttext, Laboranforderungen und Ergebnisse, Rechnungen und einen einfachen Apothekenbestand. Es läuft auf einem Windows-Rechner ohne Internet, die Daten liegen in einer Datei, und es gibt eine Übersichtsseite mit den Terminen des Tages und der Patientenzusammenfassung.
Es ist aber noch nicht fertig, und ich werde es nicht so darstellen. Einige Bildschirme sind noch Prototypen, die Startseite und die Berichte hängen noch nicht überall an den echten Daten, und die steuerkonforme Rechnung, die ich mir für Indien wünsche, ist ein Ziel, das ich noch nicht erreicht habe. Online-Terminbuchung für Patienten und automatische Erinnerungen per SMS gibt es nicht. Wer das heute braucht, ist bei Cliniko besser aufgehoben.
Ich schreibe das so deutlich, weil ich in meinen zwanzig Jahren oft genug gesehen habe, was passiert, wenn jemand Software mit Versprechen verkauft, die noch nicht da sind. Die Praxis zahlt am Ende mit ihrer Zeit.
Ein Telefonat, das meine Meinung änderte
Nach zwei Wochen gab es einen Moment, in dem ich fast aufgegeben hätte. Ich war müde, der Kalender gefiel mir immer noch nicht, und ich dachte, die vernünftige Lösung sei vielleicht, der Ärztin zu sagen, sie solle sich einen Cloud-Dienst abonnieren und mich vergessen. Ich sagte es ihr fast mit diesen Worten, am Telefon. Es gab eine kurze Stille, und dann antwortete sie etwas, womit ich nicht gerechnet hatte: Sie habe schon zwei solche Programme ausprobiert, sie wieder aufgegeben, weil sie bei jedem Netzausfall vor einem Patienten auf einen weißen Bildschirm starrte, und sie wolle lieber ein unvollkommenes Programm, das in solchen Momenten weiterläuft. Das war weder ein Lob noch ein Versprechen. Es war die Beschreibung ihres Tages. Ich legte auf und öffnete das Projekt wieder.
Was beim Bauen schiefging
Ich habe in den ersten Wochen mindestens drei Fehler gemacht, die ich hier lieber aufschreibe, bevor sie jemand anderes entdeckt.
Der erste war der Kalender. Ich habe zwei Tage damit verbracht, ihn schön zu machen, mit Farben pro Arzt und Ziehen und Ablegen, und erst danach gefragt, wie Mala eigentlich Termine anlegt. Die Antwort war: am Telefon, mit einer Hand, während sie mit der anderen die Karteikarte sucht. Sie wollte keine schönen Farben, sie wollte, dass der Name der Patientin ganz oben steht und der nächste freie Platz markiert ist. Ich habe den Kalender dreimal umgebaut.
Der zweite Fehler war die Sicherung. Ich hatte die Daten in einer einzigen Datei, und ich fand das elegant. Dann fiel mir auf einem Spaziergang ein, dass eine einzige Datei auch ein einziger Punkt ist, an dem alles kaputtgehen kann. Eine automatische Sicherung steht deshalb auf meiner Liste und ist noch nicht eingebaut. Bis dahin muss man die Datei von Hand auf einen zweiten Datenträger kopieren, und ich bin jedes Mal ein bisschen nervös, wenn ich an Praxen denke, die das vergessen. Das ist übrigens kein Problem, das nur ich habe. Wer ein lokales Programm einsetzt, muss sich um Sicherungen kümmern. Das ist der Preis dafür, dass die Daten bei dir bleiben.
Der dritte Fehler war Eitelkeit. Ich wollte, dass die Software von Anfang an alles kann, was Cliniko kann. Nach drei Wochen habe ich eingesehen, dass ich zehn Jahre Vorsprung nicht in einem Monat aufhole, und angefangen, nur noch zu bauen, was die Praxis tatsächlich jeden Tag benutzt: Patient anlegen, Termin machen, Konsultation notieren, Rezepttext schreiben, Rechnung ausstellen. Der Rest kann warten.
Wie ein normaler Vormittag damit aussieht
Stell dir vor, die Patientin ruft an. Mala tippt die ersten Buchstaben des Namens, die Akte erscheint, die letzten Besuche stehen darunter. Sie sieht, bei welchem Arzt noch Zeit ist, und legt den Termin an. Wenn die Patientin kommt, öffnet die Ärztin die Konsultation, schreibt ihre Notizen, hängt eine Laboranforderung an, tippt den Rezepttext und schließt ab.
Das ist alles. Es ist nichts Spektakuläres, und genau das war mein Ziel. Die Software soll im Hintergrund verschwinden. Wenn Mala nach einer Woche nicht mehr darüber nachdenkt, habe ich meine Arbeit gut gemacht.
Fragen, die mir Ärzte gestellt haben
Wenn ich anderen Ärzten von dem Projekt erzähle, kommen immer wieder dieselben Fragen. Hier meine ehrlichen Antworten.
Was passiert, wenn der Rechner kaputtgeht? Dann brauchst du die letzte Kopie der Datei. Deshalb sage ich so oft, dass du sie wegkopieren sollst. Ein Programm, das offline läuft, nimmt dir die Abhängigkeit vom Internet ab, aber nicht die Verantwortung für deine Daten.
Können mehrere Ärzte gleichzeitig arbeiten? Termine für mehrere Ärzte verwaltet das Programm. Mehrere Rechner, die gleichzeitig dieselben Daten benutzen, sind etwas anderes, und da bin ich nicht so weit, wie ich es gern wäre.
Warum nicht einfach Excel? Ich verstehe die Frage, und für eine sehr kleine Praxis kann Excel reichen. Aber sobald Termine, Akten und Rechnungen auseinanderlaufen, verbringt jemand die Abende mit dem Abgleich. Das habe ich bei Mala gesehen.
Der direkte Vergleich
Ich habe versucht, die Tabelle fair zu machen. Wo Cliniko weiter ist, steht es da.
| Merkmal | ClinicPlusPlus | Cliniko |
|---|---|---|
| Termine für mehrere Ärzte | Ja | Ja, sehr ausgereift |
| Elektronische Patientenakte | Ja, Grundfunktionen | Ja, mit vielen Vorlagen |
| Behandlungsnotizen-Vorlagen | Einfach | Umfangreiche Bibliothek |
| Rezepttext in der Konsultation | Ja, als Text | Nein |
| Laboranforderungen und Ergebnisse | Ja | Nicht im Fokus |
| Einfacher Apothekenbestand | Ja, einfach | Nein |
| Online-Terminbuchung durch Patienten | Nein | Ja |
| Erinnerungen per SMS und E-Mail | Nein | Ja |
| Steuerkonforme Rechnung für Indien (GST) | Geplant, noch nicht fertig | Nicht für diesen Markt gebaut |
| Arbeiten ohne Internet | Ja, Desktop-Programm | Nein, nur Cloud |
| Wo liegen die Daten | Auf dem Rechner der Praxis | Auf Servern des Anbieters |
| Automatische Sicherung | Noch nicht eingebaut | Ja, durch den Anbieter |
| Preismodell | Einmalzahlung | Monatlich pro Behandler |
| Reife des Produkts | In Entwicklung | Über zehn Jahre am Markt |
| Hauptmarkt | Südasien | Australien, Neuseeland, Großbritannien |
Wer sollte was nehmen
Nimm Cliniko, wenn du in Australien, Neuseeland oder Großbritannien praktizierst, wenn du Physiotherapeutin, Osteopath oder Chiropraktikerin bist und die ausgereiften Notizvorlagen willst, wenn du Online-Buchung und SMS-Erinnerungen brauchst und eine Cloud-Lösung mit gutem Support bevorzugst.
ClinicPlusPlus kann interessant sein, wenn deine Praxis mehrere Ärzte hat, wenn die Internetverbindung nicht verlässlich ist, wenn du die Patientendaten auf dem eigenen Rechner behalten willst und wenn du ein Programm suchst, das einmal bezahlt wird und nicht jeden Monat. Und wenn du bereit bist, eine Software zu nutzen, die noch wächst, und mir zu sagen, was fehlt.
Falls du irgendwo dazwischen liegst, würde ich dir raten, beide anzuschauen. Teste Cliniko in der Probezeit. Dann schau dir an, was du an einem normalen Dienstagmorgen in deiner Praxis wirklich tust, und frag dich, welches Werkzeug dabei im Weg steht.
Was ich daraus gelernt habe
Ich habe aus dieser Geschichte eine Regel behalten, die ich vorher schon kannte und nie so ernst genommen hatte: Das beste Werkzeug ist das, das zu deinem Raum passt, nicht das mit den meisten Funktionen. Cliniko passt hervorragend in Praxen, für die es gebaut wurde. Meine Software versucht, in einen anderen Raum zu passen. Ob Mala das Terminbuch irgendwann zuklappt, weiß ich noch nicht. Es liegt noch auf dem Tisch, und ehrlich gesagt hängt das nicht von meiner Software ab, sondern davon, ob ich sie gut genug mache.
Wenn du Fragen hast oder dir etwas fehlt, schreib mir. Und wenn du Cliniko benutzt und glücklich bist, dann bleib dabei. Das meine ich ernst.
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